FRIEDENSKÜNSTLER

Wir widersetzten uns dem Krieg.

Jeder Augenblick unseres Lebens, jede Geste, die unserer Existenz einen Sinn gibt, jeder Versuch der Verständigkeit, der Liebe, der Freundschaft und der Kreativität, jedes Molekül unseres Seins, wehrt sich gegen den Gedanken eines Krieges.

 

Sie erzählen uns: der Krieg ist notwendig, der Krieg ist unvermeidlich.
Das ist eine Lüge.

Der Krieg ist nie notwendig, er ist niemals unvermeidlich. Seine behauptete Notwendigkeit verbirgt nur die Interessen einer wirtschaftlichen und politischen Macht, seine eingebildete Unvermeidlichkeit ist der Schlaf der Vernunft. Keiner der notwendigen Kriege, denen wir ohnmächtig beigewohnt haben, hat der Lösung irgendeines Problems genützt; jeder unvermeidliche Krieg, dessen Zeuge und Helfershelfer wir gewesen sind, hätte verhindert werden können.

 

Sie erzählen uns: nur der Krieg kann den Frieden vorbereiten.
Das ist eine Lüge.

Stattdessen ist es der Krieg, der vorbereitet wird, er wird sorgfältig prädisponiert und wie eine unabwendbare Krankheit in unser Gewissen eingeführt. Aber der Krieg bereitet nur den Krieg vor, er ruft ausschließlich Gewalt, Hass und Zerstörung hervor. Jeder Krieg entfernt uns von der Vernunft, der alleinigen möglichen Basis des Friedens.

 

Sie erzählen uns: es wird ein sauberer Krieg werden, ein schmerzloser Krieg, ein operativer Krieg
Das ist eine Lüge.

Der Krieg, und besonders der zeitgenössische, trifft die unschuldigen Bevölkerungen, er zerstört ihre Häuser, ihre Würde, ihre Zukunft. Der Krieg ist eine institutionelle Terroraktion. Zwischen dem Krieg und einem Terroranschlag besteht ein quantitativer Unterschied - kein qualitativer.

 

Sie erzählen uns: schweigt, eure Argumentationen sind lächerlich. Ihr seid Träumer, Defätisten.
Das ist eine Lüge.

Wir glauben, dass die einzige geringe Hoffnung, die sich uns öffnet, durch die öffentliche Meinung, die vernünftige und bewusste Überlegung jedes einzelnen Individuums geht. Wir bitten jeden, darüber nachzudenken, was in der Welt in diesem Augenblick geschieht, über die furchtbaren Folgen, die ein Krieg haben könnte. Wir bitten jeden, den offiziellen Informationen zu misstrauen, der versteckten Überzeugung, welche die Medien auf uns ausüben, sich mit Verstand der Kriegsrhetorik zu widersetzten.

Wir bitten jeden, nachzudenken.
Wir widersetzten uns dem Krieg.

Lugano, 8 ottobre 2002